Virtuelle Whiskytour auf Islay Teil 6: Kilchoman

Der Machir Bay nahe der Kilchoman Destillerie

Machir Bay ist ein malerischer Sandstrand etwa 600 m von der Kilchoman Destillerie entfernt

Islay ist die südlichste und fruchtbarste Insel der Inneren Hebriden und die 5. größte Insel Schottlands. Die Insel ist ein Ort der Ruhe und Erholung. Sie fasziniert Naturliebhaber mit gewaltigen Klippen, grünen Berghängen, heidekrautrosa Tälern, wunderbaren, einsamen Sandbuchten und riesigen Torfmooren. Auch für Vogelliebhaber ist die Insel ein lohnenswertes Urlaubsziel, denn die Insel bietet ein riesiges Vogelschutzgebiet mit vielen seltenen Wildvögeln wie den Wachtelkönigen, Austernfischern oder Kormoranen. Insgesamt leben mehr als 100 verschiedene Vogelarten auf der Insel. Besonders attraktiv für Vogelfreunde ist Islay im Winter, denn zu dieser Jahreszeit nutzen Tausende von Gänsen Islay als Winterdomizil und Brutplatz. Doch die wirkliche Hauptattraktion und auch Haupteinnahmequelle der Insel ist die Herstellung von Whisky. Die Whisky-Insel Islay mit ihren zahlreichen Destillerien ist weltberühmt unter Whisky-Liebhabern. Die Whiskys gelten als besonders kräftig und stark und zeichnen sich durch einen torfigen und rauchigen Charakter und guten Meeresaromen aus. Gleich acht Whiskymarken sind auf der Insel vertreten. Fünf der Destillerien haben wir euch schon näher vorgestellt. Bei unserer virtuellen Whiskytour erreichen wir nun die Westküste von Islay. Hier steht die Kilchoman Destillerie – die jüngste und gleichzeitig die westlichste Destillerie Islays.

Die Geschichte von Kilchoman

Der Name Kilchoman bedeutet übersetzt „Kirche des Choman“ und bezieht sich auf eine nahe gelegene Kirche aus dem 19. Jahrhundert. Kilchoman hebt sich von den anderen Destillerien der Insel ab. So ist sie die einzige Brennerei der Insel, die nicht am Meer liegt, sondern inmitten von Feldern. Auch in Bezug auf das Alter ist die Kilchoman Brennerei besonders. Während die anderen Brennereien auf mehr als 100 Jahre Geschichte zurückblicken, feierte Kilchoman im letzten Jahr gerade einmal ihr 10-jähriges Bestehen. Die Destillerie wurde am 3. Juni 2005 durch Anthony Wills eröffnet und war die erste Neugründung einer Whisky-Destillerie auf der Insel seit 124 Jahren. Die benötigten finanziellen Mittel wurden mit Hilfe von 30 privaten Investoren aufgebracht, die an Anthony Wills und seine Idee glaubten. Kilchoman ist aber nicht nur die jüngste Destillerie auf Islay, sondern auch eine der kleinsten Brennereien in Schottland. Dafür besitzt sie aber mit ihrer Bauernhofatmosphäre einen familiären und authentischen Charakter und begeistert Whiskyfans mit vielen Besonderheiten, mit denen sie sich von den anderen Islay-Brennereien abhebt. So verfolgt die Kilchoman Destillerie das Ziel, die gesamte Produktion selbst auf dem Farmgelände durchzuführen. Diese 100%-Islay-Whiskys sollen das unverkennbare Wesen der Insel widerspiegel. Zudem bietet die Destillerie Besuchern die Möglichkeit, einmal selbst in die Rolle des Whiskyherstellers zu schlüpfen und zu erleben, wie aus Wasser und Getreide hochprozentiges Gold wird. Gegen Bezahlung können Interessierte fünf Tage lang an den unterschiedlichen Produktionsschritten mitwirken und selbst mälzen, brauen und destillieren.

Zu den wichtigen Ereignissen aus der Geschichte der Destillerie gehört der 14. Dezember 2005, denn an diesem Tag wurde das erste Fass abgefüllt. Nach Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestreifezeit im Fass von drei Jahren konnte die Brennerei endlich am 9. September 2009 ihren ersten Whisky, den sogenannten Inaugural Release, auf den Markt bringen. Die Abfüllung wird unter Sammlern sehr geschätzt. Bereits die erste davon verkaufte Flasche erzielte einen Verkaufserlös in Höhe von 5400 Pfund. Im Jahr 2010 wechselte John MacLellan nach Jahren einflussreicher Tätigkeit in der wesentlich größeren Bunnahabhain Destillerie zu Kilchoman. Die Idee einer Farmbrennerei begeisterte ihn und er wollte ein Teil dieser Vision werden. Seine Fachkompetenz sorgte für eine nachhaltige positive Entwicklung der Kilchoman-Whiskys. Am 16. Juni 2011 gelang es Kilchoman einen Meilenstein in der Whiskygeschichte von Islay zu setzen: Die Brennerei brachte einen Whisky heraus, dessen Bestandteile komplett von der Insel waren. Durch die Wiederbelebung dieser alten Brennerei-Tradition hat Kilchoman trotz weniger Abfüllungen schon viel Aufmerksamkeit gewonnen.

Die Produktion und Lagerung von Kilchoman Whisky

Kilchoman BrennereiMit Kilchoman wollte Anthony Wills nicht einfach nur die Insel um eine weitere Destillerie bereichern, er wollte eine in Schottland kaum noch vorhandene Tradition wieder aufnehmen. In der sogenannten Farm-Destillerie sollen möglichst alle Produktionsschritte vor Ort ausgeführt werden. Mit der „100% Islay“-Whisky-Reihe wurde dieser Wunsch endlich wahr. Bei diesem Whisky wird alles vom ersten bis zum letzten Produktionsschritt direkt auf der Insel gemacht. Der Torf wird auf Islay gestochen und auch das Korn kommt aus der Umgebung. Die Kilchoman Brennerei baut dafür extra selbst Gerste nach ökologischen Maßstäben auf dem angeschlossenen Gelände der Rockside Farm an. Diese wird auf eigenen Malz- und Trockenböden mit einem Phenolgehalt von 20-25 ppm gemälzt. Damit ist Kilchoman eine von nur noch sechs Brennereien Schottlands, welche die Gerste für den Single Malt Whisky selber mälzen. Sogar das Abfüllen und Verkorken geschieht bei diesem Whisky vor Ort und nicht wie sonst üblich in Hallen bei Glasgow. Bisher reicht das selbst hergestellte Malz allerdings nicht aus, um den Bedarf für die gesamte Destillation zu decken. Deswegen stammt ein Großteil der gemalzten Gerste von der Mälzerei in Port Ellen. Da sich für die Brennerei die Herstellung von Malz anhand eigener Spezifikationen finanziell nicht lohnen würde, erhält sie Teile des stark getorften Malzes, die Ardbeg für die Standardabfüllung verwendet. Dieses besitzt einen Phenolgehalt von etwa 50 ppm.

Pro Jahr produziert die Brennerei etwa 90.000 bis 100.000 Liter Alkohol, womit sie mit zu den kleinsten Destillerien Schottlands zählt. Zur Ausstattung der Brennerei gehören ein Mash Tun und 4 Washbacks aus Edelstahl sowie ein Wash Still (3230 l Kapazität, 2700 l Beladung) und ein Spirit Still (2070 l Kapazität, 1500 l Beladung). Die Lagerung erfolgt direkt auf der Rockside Farm oder in Lagerhäusern bei Bruichladdich und Port Ellen. Für die Reifung der Whiskys werden dabei überwiegend Bourbonfässer der Marke Buffalo Trace verwendet. Einige der Whiskys reifen zudem in Oloroso-Sherryfässern nach.

Der Geschmack von Kilchoman Whisky

Trotz ihres jungen Alters konnte die Brennerei schon unzählige Whiskyfans mit ihren perfekt ausgewogenen Whiskys überzeugen. Die Whiskys sind in Abhängigkeit des verwendeten Malzes mehr oder weniger torfig. Da das erste Fass erst im Jahr 2005 abgefüllt wurde, sind die erhältlichen Abfüllungen natürlich alle noch sehr jung. Zum Sortiment der Brennerei gehören lediglich drei-, dreieinhalb- und fünfjährige Single Malts. Dennoch lassen sich die Besitzer immer wieder etwas einfallen, um ihre Whiskys zu vermarkten. Das beste Beispiel dafür ist die „100% Islay“-Whisky-Reihe. Diese Whiskys sind mit 20 ppm relativ wenig getorft, dafür schmeicheln sie den Gaumen mit einer intensiven fruchtigen Süße, die nicht durch Raucharomen überlagert wird. Neben dem leicht torfigen 100% Islay gehört auch der stark getorfte Machir Bay mit 50 ppm zu den Standardabfüllungen. Dieser hochgeschätzte Whisky gewann auf der IWSC 2012 eine Goldmedaille als „Best in Class“. Zudem gibt es auch jährlich neue Abfüllungen wie z.B. den Kilchoman Loch Gorm. In der Zukunft ist eine Erweiterung des Angebots mit fünf-, acht-, zehn- und zwölfjährigen Abfüllungen geplant.

Probieren Sie Whiskys von Kilchoman und lassen Sie sich von der hohen Qualität der Whiskys begeistern. Durch die schonende Destillation, beste Fassqualität sowie die Abfüllung ohne Kühlfiltrierung und ohne Zusatz von Farbstoffen entstehen außergewöhnliche, hochwertige Islay Single Malts, die selbst erfahrene Genießer nachhaltig überzeugen.

Quellenangabe / Bild:

© elnariz / Fotolia.com

© Scotland – Kilchoman Distillery 1 von audrey_sel / flickr.com / CC BY-SA 2.0-Lizenz

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